Einstellschlitten – wozu ist der gut?

Wenn man sich intensiver mit der Makrofotografie beschäftigen möchte, wird man schnell an die physischen Grenzen auch guter Makroobjektive stoßen. Denn die erreichte Vergrößerung (in der Regel bis zum Maßstab 1:1 ohne weiteres Spezialzubehör wie Lupen, Umkehrringe oder Balgen) kosten Schärfentiefe. Diese kann nur erhöht werden, wenn abgeblendet wird, was allerdings bei Makroobjektiven wie zum Beispiel dem Sigma 105mm 2.8 Art schon bei Blendenstufen von 5.6 oder höher zu beugungsbedingter Unschärfe im Randbereich führen kann. Was ist zu tun?

Ein gängiger Ausweg ist das Focusstacking. Das bedeutet das Aufnehmen einer Reihe von Fotos mit unterschiedlichen Schärfeebenen, die in einer geeigneten Software ausgerichtet und überblendet werden zu einer Gesamtaufnahme, in der idealerweise alle Bereiche scharf abgebildet werden, die dazu auserkoren worden sind.

Platzhirsch unter den Programmen seit Jahren ist Helikon Focus. Ich persönlich verwende Focus Projects 4 von Franzis, das eine Menge an Bearbeitungsmöglichkeiten bietet. Die Bildqualität ist allerdings nach meinen Erfahrungen nicht so gut wie in Photoshop, das vor allem in seiner Mac-Version für den M1-Chip die automatische Bildausrichtung und Überlagerung in überragender Geschwindigkeit erledigt.

Die Schärfeebenen werden dadurch erzeugt, dass der Fokus manuell angepasst wird, indem die Kamera millimeterweise in der Bildachse verschoben wird. Und nicht dadurch, dass einfach nur der Autofokus auf einen anderen Bildteil gelegt wird. Das würde nur zu unangenehmen „Halos“ führen, den berüchtigten Doppelkonturen, in der abschließenden Bildbearbeitung.

Der Castel Q von Novoflex mit Schnellwechselllplatte QPL1

Der Castel Q ist sozusagen der Mercedes unter den Einstellschlitten, sehr teuer (ca. 400 Euro in der doppelten Ausführung, die eine kreuzweise Montage erlaubt), aber von überragender Qualität. Die Einstellungen lassen sich sogar in Bruchteilen von mm vornehmen.

Die Montage auf dem Stativ mit einer Schnellwechselplatte geht so:

  1. Die Wechselplatte (im Beispiel von Manfrotto) an den Castel Q schrauben.
Die roten Pfeile zeigen die vorgegebenen Gewindelöcher.

2. Der Schlitten wird auf dem Stativ montiert.

Castel Q auf dem Manfrotto-Stativ. Der Pfeil deutet auf die Manfrotto-Platte.

3. Die Schnellwechselplatte QPL1 (die übrigens zum Castel-Q mitgeliefert wird), an der Kamera montieren. Dazu braucht man einen breiten Schraubenzieher oder eine Münze.

Die Schnellwechselplatte QPL1 an der Sony Kamera.

4. Die Kamera wird auf dem Castel-Q montiert.

Sony Alpha 7 III auf dem Schlitten. Die roten Pfeile zeigen die Verstellwege. Die Kamera bewegt sich auf das Motiv zu in der Bildachse. Für eine Panorama-Aufnahme kann über eine Querverschiebung ein anderer Bildausschnitt erzeugt werden.

Die Kamera wird nun also in sehr kurzen Abständen weiterbewegt und mit einem Fernauslöser ein Bild angefertigt, wobei durch die manuelle Fokussierung immer andere Bereich des Motivs scharf werden.

Die Bilder werden dann als Ebenen in Photoshop (oder als Foto in eines der anderen genannten Programme) geladen. Die weitere Bearbeitung schildere ich in einem gesonderten Beitrag.



Kategorien:Fotografie

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